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Graffiti-Künstler und Ärzte vereinen Kräfte in Gesundheitskampagne

 INSP Montag, 29. August 2011

In vielen Teilen der Erde, wird Graffiti als eine Form von Vandalismus betrachtet, der von Menschen, die sich gegen die Gesellschaft auflehnen, ausgeführt wird. Im senegalesischen Dakar gibt es eine Gruppe von Graffiti-Künstler, die diese Betrachtungsweise in Frage stellen, indem sie mit ihren Spraydosen Botschaften verbreiten, die sozialen Wandel fördern. (1086 Wörter) - Von Amanda Fortier

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Ein Taxi rast auf die vielbefahrene Hauptverkehrsader der VDN, neben Doctas Meisterwerk, des Mauerbilds "Unity in Diversity“ [Einheit in der Vielfalt], für FESMAN geschaffen.Photo: Paul Farrall.

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Doctas "Tag" [Kennzeichen] auf dem Träger der VDN, Sipres-Kreisel, Dakar.Photo: Paul Farrall.

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In diesem Notizbuch beginnen Doctas zukünftige Projekte. Hier zeigt er ein Mauerbild, das schon sehr bald umgesetzt werden soll.Photos: Paul Farrall

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Docta vor seinem farbenfroh dekorierten Zuhause in Medina.Photo: Paul Farrall.

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Ein Moment von relativer Gelassenheit in der Rue 6, vor dem "Santé Amul Prix“-Mauerbild Künstlers in Medina.Photos: Paul Farrall


Hip Hop und Gesundheit mag eine unerwartete Kombination sein, aber in Senegals Hauptstadt Dakar haben Graffiti-Künstler und Ärzte ihre Kräfte vereint, um über Krankheiten wie Aids, Diabetes, Malaria und Tuberkulose aufzuklären.

Dieses Projekt, das unter dem Namen Graff & Santé (auf deutsch: Gesundheit) läuft, wurde im Jahr 2008 vom Vorreiter der Graffiti-Kunst in Senegal gegründet. Es ist kein Zufall, dass dieser Künstler sich Docta nennt.

Docta, der mit richtigem Namen Amadou Lamine Ngom heißt, fing Mitte der Achtziger an, kahle Zementmauern als seine persönliche Leinwand zu benutzen. Damals verstand niemand was er tat.

"Zu der Zeit fanden die Leute meine Arbeiten sehr verwirrend, weil sie sehr artistisch waren, " erklärt Docta in seinem Zuhause in Medina, einer Wohngegend in der Innenstadt Dakars." Doch dann kam ich an einen Punkt, an dem ich die Botschaft vereinfachen musste, damit die Leute lesen und verstehen konnten, was ich sagte."

Die Idee für  Graff & Santé war eine Antwort darauf wie Docta die sich entwickelnde Rolle der Graffiti-Kunst in Senegal sah.

"Graffiti kann ein kommunikatives Trampolin zwischen der Bevölkerung und urbaner Kunst sein", sagt Docta. "Am Anfang hatte Graffiti zum Ziel, die Menschen zur Revolte aufzurufen, doch gibt es immer einen Punkt, an dem man für die Bevölkerung etwas leisten muss. Wir können nicht zu allem sagen "nein, so geht das nicht",  wir müssen auch Lösungen präsentieren."

Graff & Santé ist eine dreitägige Veranstaltung unter der Mitwirkung von Doctas Team von Graffiti-Künstlern, die sich Doxandem Squad nennen. Sie gehen in Dakars Wohngegenden, der Bevölkerung der unteren Einkommensklassen, um öffentliche Mauern mit riesigen und farbigen Bildern und Slogans zu besprayen. Sie schreiben Botschaften  wie "Gesundheit hat keinen Preis" oder "Einheit in der Vielfalt" in  Wolof, der dortigen Regionalsprache. Darauf folgt eine Aufforderung an Ärzte, ihre Zelte mitten auf der Straße aufzubauen, von wo aus sie die Bevölkerung gratis untersuchen und beraten, Medikamente verabreichen und Moskitonetze verteilen. Während der ersten Graff & Santé-Veranstaltung wurden 87 Personen ärztlich untersucht. Darunter sind viele, die sonst nie einen Arzt aufsuchen.

"Die meisten Senegalesen gehen nicht gern ins Krankenhaus", erklärt Docta. "Sie halten die medizinischen Mitarbeiter für unhöflich oder die Medikamente für zu teuer. Graffiti-Künstler können die Bevölkerung und die Ärzte dazu ermutigen, sich auf der Straße zu treffen. Das ist sehr wichtig, da es sich um einen neutralen Ort handelt, wo sich Leute weniger eingeschüchtert fühlen."

Im Vergleich zu vielen afrikanischen Ländern, hat Senegal viele Fortschritte gemacht, was das Gesundheitswesen betrifft. Senegal hat mit 1% einer der tiefsten HIV-Raten auf dem Kontinenten. Jedoch warnt die internationale AIDS/HIV-Stiftung Avert, dass noch immer ein Risiko besteht, dass die Betroffenenzahl steigt, wie dies der Fall war in anderen westafrikanischen Nationen wie Kamerun und Gabun. Tuberkulose, die oft von HIV gefördert wird,  breitet sich nicht so stark aus wie in Südafrika oder Nigeria. Trotzdem wird die Krankheit in Senegal noch immer als ernstzunehmendes Gesundheitsproblem wahrgenommen, wie die internationale Hilfsorganisation USAID bestätigt. Auch im Kampf gegen Malaria, macht Senegal bemerkenswert große Fortschritte. Eine landesweite Verteilung von Moskitonetzen und standardisierte Diagnosevorgehensweisen haben zu einer Verringerung von gemeldeten Malariaerkrankungen um 41% zwischen 2008 und 2009 geführt. Doch gibt es noch immer viel zu tun und Docta und die Doxandem Squad legen so bald nicht die Hände in den Schoss.

Das diesjährige Graff & Santé-Festival ist auf Anfang September, also zur Hauptregenzeit,  festgesetzt. Die Gruppe plant in den Vororten Dakars, in einigen der ärmsten Gegenden zu arbeiten. An den Orten, an welchen die Menschen am meisten von andauernden Überschwemmungen betroffen sind, die zusammen mit einem mangelnden Abwassersystem zu einem fruchtbaren Boden für Malaria- und Tuberkuloseerreger werden, die sich oft als Epidemie ausbreiten.

"Wenn wir der senegalesischen Bevölkerung helfen können, dann ist dies unsere Aufgabe", sagt Docta mit Bestimmtheit. "Wir müssen es tun. Es ist dies die Art von sozialem Engagement, das Graffiti schon immer hatte, aber jetzt erst richtig umsetzt. Nur indem wir das tun, sind die Menschen in der Lage, sich eine Zukunft vorzustellen, die sich von der heutigen Lebenssituation unterscheidet."

Amadou Dior Ndiaye ist ein Kulturmanager in Senegal. Er ist begeistert von Doctas Initiative und hat dieses Projekt, das seines Wissens das einzige seiner Art ist in Afrika, in Bewegung gesetzt.

"Wir leben in einer Welt, in der wir auf niemanden warten können, der uns hilft. Besonders nicht, wenn es um unsere Gesundheit geht", sagt Ndiaye. "Genau wie eine Person, die Durst hat. Sie wird nicht auf jemanden warten, der ihr ein Glas Wasser gibt. Heutzutage wollen die jungen Menschen in Senegal ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen und sie wollen auf niemanden warten."

Zusatzartikel - Die Jugend in soziale Entwicklung involvieren

Als Graffiti  vor über zwei Jahrzehnten das erste Mal von den Vereinigten Staaten nach Senegal kam, entstand eine große Diskussion über seine Legalität. Wie an vielen Orten der Welt, ist Graffiti in Senegal immer noch illegal. Anders als in vielen westlichen und einigen afrikanischen Ländern, ist es jedoch in Senegal allgemein akzeptiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Künstler verhaftet wird, weil er eine Mauer mit sozialen oder politischen Botschaften bemalt, ist sehr gering.

Professor Abdoulaye Niang ist ein Soziologe und Forscher der Gaston Berger Universität in Senegal. Er spezialisiert sich auf Graffiti-Kunst und urbane Hip-Hop-Kultur und glaubt, dass die Senegalesen Graffiti als etwas sehen, das multifunktional ist. Es hat sowohl einen sozialen, kulturellen und politischen Wert als auch als einen ästhetischen Zweck.

"Die Menschen hier akzeptieren Graffiti viel eher als die Menschen im Westen oder sogar in anderen Teilen Afrikas, weil sie es als Kunst anschauen und nicht als Vandalismus, " sagt Professor Niang. "Es ist zu einem Mittel für junge Menschen geworden, sich in einer Gesellschaft auszudrücken, die immer noch großen Respekt für die ältere Generation hat."

Wie mit vielen Kunstprojekten, ist es schwierig, zu messen wie sich ein Anlass wie Graff & Santé auf die Verbesserung der Gesundheit der Menschen auswirkt. Professor Niang gibt zu, dass deshalb die Leute oft skeptisch sind, was den wirklichen Wert des Projektes angeht.

"Ich kann nur sagen, dass sich die Anzahl der Personen, die sich untersuchen ließen, nach dem Erscheinen der (Gesundheits-) Graffiti erhöht hat. Jedoch nur in Gegenden, in denen die Künstler mit Ärzten zusammenarbeiteten. Ich glaube, dass das ein gutes Zeichen ist und zeigt, dass ihre Botschaften eine Wirkung auf die Bevölkerung ausüben."

Übersetzt von Andrea Wieler

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