INSP Montag, 20. Februar 2012
Das Leben als Kleinbauern im Dorf Yeluvahalli ist hart für Shivanna (50) und seine Frau Padmamma (45). Die Ernte reicht kaum aus um die Familie zu ernähren und die kleine Menge Erzeugnisse, die sie verkaufen, genügt nicht um sie durch die Trockenzeiten zu bringen, die die Gegend jeden März und April heimsuchen. (899 Wörter) - Von Danielle Batist
Die Auswirkungen des Klimawandels hat die Landwirtschaft in den letzten Jahren erheblich beeinträchtigt, sagt Shivanna. "Die Regenfälle haben stark abgenommen, besonders in den letzten vier oder fünf Jahren. Früher waren die Wasserspeicher und Teiche im Dorf nach der Regenzeit immer gefüllt, aber jetzt sind sie nur noch halbvoll. Im Sommer ist es auch viel heißer, was bedeutet, dass das Wasser in den Teichen verdunstet bevor die Trockenzeit zu Ende ist."
Eine weitere Sorge für Bauern wie Shivanna ist, dass die auf dem Land verwendeten Düngemittel bei trockenem Wetter nicht wirken. Ein Regierungsprogramm, in dem Kleinbauern auf den Gebrauch von chemischen Düngemitteln umsteigen sollten um so den Ernteertrag zu erhöhen, ist missglückt. "Die Chemikalien kosten viel mehr, 900 Rupien pro Sack, während die alten 300 gekostet haben. Ich habe einen Kredit aufgenommen um viel davon einzukaufen. Aber jetzt ist es zu trocken und das Mittel nützt nichts mehr."
Obwohl das Dorf nur 108 Kilometer von Bangalore entfernt ist, hat die Entwicklung hier noch einen weiten Weg vor sich. Die meisten von Yeluvahallis 390 Einwohnern sind Analphabeten. Die staatliche Grundschule ist nur mangelhaft ausgestattet und endet nach der siebten Klasse. Ältere Kinder ab 12 Jahren müssen die sieben Kilometer ins nächste Dorf überwinden, um ihre Bildung fortsetzten zu können, aber ohne Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln und Geld für die Schulgebühren haben viele Dorfbewohner ihre Kinder aus der Schule genommen um auf dem Land mitzuarbeiten.
Die örtliche Wohltätigkeitsorganisation Prakruthi arbeitet in 150 Dörfern im Kolar-Bezirk, Yeluvahalli mit eingenommen. Gründer P. Narayanappa gründete die Wohltätigkeitsorganisation vor 30 Jahre mit dem Ziel, den Dorfbewohnern die Chance zur Selbsthilfe zu geben. Mit Unterstützung von Seiten der schottischen Wohltätigkeitsorganisation SCIAF wurden über 400 Frauenselbsthilfegruppen gegründet, die Mikrofinanzierungskredite und Weiterbildungen anbieten um Verbindungen und Milchkooperationen zwischen Bauern und anderen Unterstützergruppen herzustellen. "Wir fördern die Teilnahme von äußersten Randgruppen, vor allem Frauen und Menschen ohne Grundbesitz, damit diese eine Schlüsselrolle in der Entwicklung ihrer eigenen Regionen spielen können", sagt Narayanappa.
Obwohl die indische Regierung in den vergangenen Jahren mehrere Projekte zur ländlichen Entwicklung ins Leben gerufen hat, ist die Arbeit von Wohltätigkeitsorganisationen wie Prakruthi ausschlaggebend, wenn es um die tatsächliche Hilfsförderung vor Ort geht. Eine von dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen unterstütze Studie der Oxford Universität zeigt, dass immer noch eine halbe Billionen Inder in Armut leben. Angesichts solch großer Zahlen erreichen Regierungsprogramme oft nicht die vielen entlegenen Ecken des riesigen Landes. Korruption auf allen Regierungsebenen bereitet ein weiteres Problem in der Zustellung der staatlichen Hilfsgelder.
Außer der Unterstützung von armen Dorfbewohnern auf direktem Wege ist Prakruthi auch zunehmend daran beteiligt sicher zu stellen, dass die indische Regierung ihre Hilfsprogramme ausführt. Nichtregierungsorganisationen haben oft länger als die Regierung in örtlichen Regionen mitgeholfen und so wenden sich Entwicklungsamtsabteilungen für Hilfe bei der Projektausführung oft an etablierte Wohltätigkeitsorganisationen. Prakruthi fungiert mittlerweile in der Betreuung von großen Bewässerungsprogrammen als Berater für die Regierung von Karnataka. Anstatt externe Unternehmer zu engagieren hat Prakruthi dafür gesorgt, dass die lokale Dorfgemeinde in der Errichtung und dem Unterhalt der 100 Wasserreservoire beteiligt wurde.
Wie viele ländliche Dörfer war Yeluvahalli ins Visier von privaten Geldverleihern gerückt. Jene verlangen Zinsen von bis zu 60% und versuchen vor allem in der Trockenzeit und wenn das Einkommen mager ist mit verzweifelten Bauern lukrative Geschäftsabkommen zu schließen. Wurde der Kredit in Anspruch genommen schrecken viele Kredithaie nicht einmal vor Drohungen und Gewalt zurück um ihr Geld wieder einzutreiben.
Padmamma ist eine der vielen Dorfbewohner, die in den Teufelskreis von Geldanleihen geriet. Sie sagt, sie wollte nie etwas leihen, aber sie brauchte Geld für den Unterhalt ihrer zwei Sohne und Tochter. "Wir konnten die Schulgebühren nicht mehr bezahlen, deshalb haben wir einen Kredit aufgenommen. Ich möchte, dass meine Kinder eine Bildung erhalten, damit sie einmal besser Leben führen können. Im Herzen wünsche ich mir, dass sie Bauern werden wie wir, aber die Dürren machen uns das Leben immer schwerer."
Des Weiteren plant die Familie Geld aufzunehmen, um ihre Tochter verheiraten zu können. Hochzeiten sind eine teure Angelegenheit für die Familien der Bräute, weil die Zahlungen von Aussteuer noch immer alltäglich sind. Obwohl Indien den Brauch seit 1961 verbietet, stürzen sich immer noch viele Familien in Schulden um die Tradition zu wahren. Auch geht Angst um, weil viele Frauengruppen behaupten, dass jährlich bis zu 25.000 Bräute ermordet werden, weil ihre Aussteuerzahlungen nicht geleistet wurden.
Prakruthi versucht die Kredithaie zu bekämpfen, die es auf kleine Dörfer wie Yeluvahalli abgesehen haben. Die Selbsthilfegruppen für Frauen haben sich als sehr effektiv erwiesen. Wenn Frauen Kredite zu geringen Zinsen zur Verfügung stehen, haben sie die Möglichkeit es in einkommensschaffende Maßnahmen zu investieren und die Darlehen zurückzuzahlen. Die Zucht von Kühen und anderem lebenden Inventar half vielen Dorfbewohnern Geld zu sparen und ihr Kapital zu vermehren.
Padmamma entschied sich dem Projekt beizutreten, als sie sah wie andere Frauen im Dorf ihre finanzielle Unabhängigkeit erreichten. Als Anfangs dieses Jahres eine Krankheit die Erdnusspflanzen im Dorf befiel, waren es die Erträge von Padmammas Milchwirtschaft, die die Familie vor dem Hungertod rettete. Sie sagt, dass die Unterstützung von Prakruthi ihr die Möglichkeit gab, dem Schuldenkreislauf zu entkommen. "Hoffentlich können wir unsere Darlehen abbezahlen und ein besseres Leben führen."
Übersetzt von Julia Schneider
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